Bis 30. Juni: Miriam Cahn, das genaue Hinschauen

Kunsthaus, Bregenz: Pünktlich zu Ihrem siebzigsten Geburtstag im Sommer 2019 zeigt Miriam Cahn im Kunsthaus Bregenz ihre erste große institutionelle Einzelausstellung in Österreich. Die Bilder der mehrfachen documenta-Teilnehmerin sind ebenso bedrückend wie einnehmend.

In Pastell oder Kohle zeigt sie Figuren oft formatfüllend in leeren, kaum definierten Umräumen. Die Gesichter sind schattenhaft reduziert, Augen und Münder nur Schemen. Die Körper, meist nackt, wirken verloren und geisterhaft, als würden sie von einem fluoreszierenden Licht erhellt. Selten agieren sie, dann mit verstörend vereinfachten, manchmal auch heftigen Gesten. Einsamkeit, Sexualität, Liebe, Gewalt oder Zerstörung sind die Themen. Die Schweizer Künstlerin ist von der Performancekunst der 1970er Jahre, der feministischen Kunst und der Friedensbewegung geprägt. Ihre Figuren dienen der stummen Identifikation, der Anteilnahme, dem Aufruf. Zuweilen zeigt sie die Berglandschaft des Oberengadins in schroffen Horizonten, übermächtig und erhaben. Und doch nehmen sich ihre Linien wie Stellvertreter des Menschlichen aus.
www.kunsthaus.bregenz.at

7. bis 30. Juni: Kunstspielwiese in Kempten

Das Kunsthallen-Stipendium Kempten für Florian Rautenberg: Mit einer öffentlichen Eröffnung präsentiert die Stadt Kempten ein raumgreifendes Kunstwerk. Am Donnerstag, 6. Juni, 19 Uhr, haben alle Interessierten Gelegenheit, einen der unkonventionellsten Künstler des Allgäus kennen zu lernen: Florian Rautenberg.

Der junge Aktionskünstler lebt und arbeitet in München und Legau (Unterallgäu). Er erfindet einen eigenen Kosmos, baut in der Kunsthalle Kempten eine lebensgroße Szenerie und verfügt über eine eigene Sprache dafür. Mit seinem Schaffen bewegt er sich zwischen Bühnenbild und Spielplatz, zwischen Klettergerüst und Grenzzaun, zwischen Kinderwelt und Kriegsschauplatz. Ebenso ambivalent wie sein Weltentwurf sind die Gefühle, die er damit auslöst. Von heiter bis düster, von spielerisch bis todernst ist alles dabei – je nach Standpunkt.
Florian Rautenberg ist einer von zwei Kunststipendiaten, die 2019 von der Stadt Kempten eine Kunstförderung für ihren Auftritt in der Kunsthalle erhalten. Zur Eröffnung erläutert die neue Kulturmanagerin Susan Funk die Installation. Der Schauspieler Hans Piesbergen trägt Rautenbergs Texte vor, die ebenso fantasiereich wie sprachwitzig sind.
Die Kunsthalle verwandelt sich mittels der Großinstallation von Florian Rautenberg in eine sehr spezielle Landschaft, die man durchwandern und durchdenken kann. Ein weiterer Werkkomplex sind Zeichnungen, mit Bleistift und Buntstift intensiv erfunden und gewachsen, welche motivisch changieren zwischen Albtraumwelt, Dschungel und Paradies.
Der Titel „Draggonkings Regrut“ ist eine Rautenberg’sche Sprachschöpfung, die an Drachen, Ritter und Rekruten denken lässt, an eine Expedition in eine Erfindung. Rautenberg selbst gibt keine Übersetzung dazu. Er öffnet seine Abenteuerwelt und bietet einen künstlerischen Zugang in eine Realität auf Zeit. Ein besonderes Ereignis für jeden Kunstfreund.


Florian Rautenberg - Draggonkings Regrut
Kunsthalle Kempten
7. bis 30. Juni 2019
Öffentliche Vernissage: Donnerstag, 6. Juni , 19 Uhr
Führung mit Künstler: Donnerstag, 20. Juni, 15 Uhr

Öffnungszeiten:
Donnerstag, Freitag 14 bis 18 Uhr
Samstag, Sonntag 12 bis 18 Uhr
Kunsthalle Kempten
Memminger Str. 5
87439 Kempten (Allgäu)
Tel. 0831 2525 200
www.kempten.de/ausstellungen

Bis 7. Juli: Protest in der Provinz

Rotes Haus, Meersburg: 
1968. Bodensee-Oberschwaben und Touraine: Die Studenten- und Jugendrevolte von 1968 war ein internationales Phänomen. Weltweit gingen damals junge Menschen auf die Straße, um für Veränderungen und gegen die bestehenden Autoritäten zu protestieren.


Bekannt sind die Bilder von Demonstrationen und Unruhen in den Großstädten. Aber 68 war nicht nur in Paris, Berlin oder München, sondern auch in der Provinz. Die Ausstellung wagt einen vergleichenden Blick auf zwei weit voneinander entfernt liegende Regionen: die Touraine, mit der Hauptstadt Tours, in Westfrankreich und die Region Bodensee-Oberschwaben. Eine besetzte Rheinbrücke, ein demonstrativer Ausmarsch in die Schweiz, provozierendes Polittheater, ein entnervter Bundeskanzler, Dutschke- und Mao-Bilder in den Klassenzimmern, als Maoisten verkleidete Schüler, so sah der Protest 1968 in der Region Bodensee-Oberschwaben aus. Großdemonstrationen und ein Generalstreik prägten hingegen den Mai 1968 in der westfranzösischen Region Touraine, wo Studenten, Schüler und Arbeiter gemeinsam auf die Straße gingen. Anhand von Fotos, Filmen, Dokumenten, Objekten und Zeitzeugenaussagen bietet die Schau eine Bestandsaufnahme zahlreicher kaum bekannter Ereignisse dieser Zeit, die belegen wie sehr die Protestbewegung auch in den Regionen angekommen war. Zudem wirft die Ausstellung einen Blick auf kulturelle Veränderungen in der Region wie sie in der Musik, der Kunst und in der Literatur sichtbar wurden. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Archives Départementales d’Indre-et-Loire in Tours, der Universität Tours und des Kulturamts des Bodenseekreises. Dienstag bis Sonntag und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Bildunterschriften:
Die „Maoisten“ vom Überlinger Gymnasium protestieren am „Schmotzige Dunschtig“ 1968 (Foto: Alexander Plappert).
Die Biberacher APO beim Sternmarsch gegen die Notstandsgesetze am 11. Mai 1968 (Foto: Museum Biberach, Untergrundzeitschrift Song 7/1968).
Notstandsdemonstration am 29. Mai 1968 in Konstanz: die Rheinbrücke wird blockiert (Foto: Stadtarchiv Konstanz).

13. April bis 30. Juni: Miriam Cahn, das genaue Hinschauen

Kunsthaus, Bregenz: Pünktlich zu Ihrem siebzigsten Geburtstag im Sommer 2019 zeigt Miriam Cahn im Kunsthaus Bregenz ihre erste große institutionelle Einzelausstellung in Österreich. Die Bilder der mehrfachen documenta-Teilnehmerin sind ebenso bedrückend wie einnehmend.


In Pastell oder Kohle zeigt sie Figuren oft formatfüllend in leeren, kaum definierten Umräumen. Die Gesichter sind schattenhaft reduziert, Augen und Münder nur Schemen. Die Körper, meist nackt, wirken verloren und geisterhaft, als würden sie von einem fluoreszierenden Licht erhellt. Selten agieren sie, dann mit verstörend vereinfachten, manchmal auch heftigen Gesten. Einsamkeit, Sexualität, Liebe, Gewalt oder Zerstörung sind die Themen. Die Schweizer Künstlerin ist von der Performancekunst der 1970er Jahre, der feministischen Kunst und der Friedensbewegung geprägt. Ihre Figuren dienen der stummen Identifikation, der Anteilnahme, dem Aufruf. Zuweilen zeigt sie die Berglandschaft des Oberengadins in schroffen Horizonten, übermächtig und erhaben. Und doch nehmen sich ihre Linien wie Stellvertreter des Menschlichen aus.
www.kunsthaus.bregenz.at

Vom 13. April bis zum 21. Juli: „Ost:Nordost. Kunst in der DDR“

Schloss Achberg zeigt bedeutende Werke aus dem Staatlichen Museum Schwerin
Ost:Nordost, das klingt nach Seefahrt. Der weite Himmel über der Ostsee lädt ein zu einer Entdeckungsreise in die DDR, die für viele in der alten Bundesrepublik aufgewachsene Menschen bis heute rätselhaft bleibt.

Dafür macht Schloss Achberg 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer vom 13. April bis zum 21. Juli seine Tore weit auf für eine der bedeutenden Sammlungen zur Kunst aus der DDR, die Werke aus dem Staatlichen Museum Schwerin.
Über Kunst aus der DDR gibt es heute jenseits ihrer ehemaligen Grenzen ein klares Bild: Das Kunstschaffen in dem „sozialistischen Staat auf deutschem Boden“ sei nie autonom gewesen. Der Staat habe Künstler herausgehoben und gefördert, aber auch umfassend kontrolliert und seinen stilistischen und inhaltlichen Vorgaben unterworfen. Bei genauem Hinsehen muss das so eindeutige Schwarz-Weiß einer Vielzahl an Grautönen weichen. Die Kunstproduktion zwischen 1945 und 1989 in der ehemaligen SBZ und in der DDR kann nicht auf den „Bitterfelder Weg“ und den Sozialistischen Realismus reduziert werden. Sie war viel facettenreicher, umfasste Stilrichtungen wie Abstraktion und Neoexpressionismus, erprobte Ausdrucksformen wie Assemblage und Mail-Art.
Präsentiert werden Werke von über 50 Künstlerinnen und Künstlern, die ihr Oeuvre größtenteils in der DDR entwickelten. Die etwa 100 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken ermöglichen einen eindrucksvollen und erhellenden Einblick in das Kunstschaffen in der DDR zwischen 1949 und 1989. Künstlerpersönlichkeiten wie Gerhard Altenbourg, Kate Diehn-Bitt, Wieland Förster, Sighard Gille, Hermann Glöckner, Lea Grundig, Waldemar Grzimek, Vera Kopetz, Otto Manigk, Wolfgang Mattheuer, Otto Niemeyer-Holstein, Uwe Pfeifer, Theodor Rosenhauer oder Volker Stelzmann stehen stellvertretend für die Spannweite und den Facettenreichtum dieser Kunst.
Öffnungszeiten:
Fr 14 bis 18 Uhr, Sa/So/Feiertage 10 bis 18 Uhr
außerhalb der Öffnungszeiten Führungen nach Vereinbarung
www.schloss-achberg.de